Internationale Boxregeln
Dieser Artikel beschreibt die sportlichen Regeln des Boxens, wie sie nationale Föderationen weltweit anwenden, einschließlich Russland: Wertung, Rolle des Sekundanten, Kampfreglement und Anti-Doping-Kontrolle. Der administrative Teil, der speziell zum russischen System gehört - Turnierzulassung, sportliche Leistungsklassen, EVSK und RUSADA - steht in einem eigenen Artikel Zulassung, Leistungsklassen und Anti-Doping in Russland.
Wertung: Kommandos und Befugnisse des Ringrichters
Der Ringrichter ist die einzige Person im Ring, die den Kampf leitet. Die Punktezettel führen die Punktrichter außerhalb des Rings, nicht der Ringrichter. Er muss spätestens 30 Minuten vor Beginn des ersten Kampfes eines Turniers am Ring sein.
Die Kontrolle von Mundschutz, Tiefschutz und Handbandagen ist vor jedem Kampf Pflichtaufgabe des Ringrichters.
Im Ring gibt der Ringrichter vier Kommandos:
| Kommando | Bedeutung |
|---|---|
| "Stopp" | der Kampf muss vollständig unterbrochen werden |
| "Box" | Erlaubnis, den Kampf fortzusetzen oder zu beginnen |
| "Break" | Lösung aus dem Clinch - beide Boxer gehen einen Schritt zurück |
| "Time" | vorübergehende Unterbrechung des Kampfes |
Der Ringrichter ist für die Gesundheit der Athleten verantwortlich und darf den Kampf jederzeit stoppen: bei klarer Überlegenheit eines Boxers, bei einer Verletzung, die eine Fortsetzung verhindert, oder wenn der Kampf nach seiner Einschätzung nicht ernsthaft geführt wird. Er kann wegen unsportlichen Verhaltens, einschließlich Missachtung seiner Anweisungen, ermahnen, verwarnen oder disqualifizieren. Vor dem Kampf prüft er die vollständige Ausrüstung des Boxers (Mundschutz, Tiefschutz, Kleidung, Handbandagen) sowie die Anwesenheit der Punktrichter und des Arztes.
Führt ein eindeutiger Regelverstoß zu einer Verletzung, wird die Entscheidung kollegial getroffen: Hält die Mehrheit der Richter den Schlag für korrekt, wird eine technische Niederlage wegen Verletzung gewertet; gilt der Schlag als absichtlicher Regelverstoß, wird der Sieg durch Disqualifikation zugesprochen; gilt der Verstoß als unbeabsichtigt, wird der Sieger nach Punkten bestimmt, ohne die Runde zu berücksichtigen, in der die Verletzung entstand.
Auch für den Ringrichter selbst gelten Anforderungen: Er darf beim selben Turnier nicht gleichzeitig Trainer, Sekundant oder Teamleiter sein, muss vor Wettbewerben oberhalb regionaler Ebene eine medizinische Untersuchung absolvieren, eine Sehstärke von mindestens 6 Dioptrien pro Auge haben und darf im Ring keine Brille tragen, sondern nur Kontaktlinsen.
Sekundant: Rechte, Pflichten und Ausrüstung
Ein Boxer darf nicht ohne Sekundanten antreten. Läuft der Kampf für seinen Athleten sehr schlecht und kann dieser im Gefecht den erlittenen Schaden nicht nüchtern einschätzen, kann gerade der Sekundant den Kampf durch Werfen des Handtuchs in den Ring beenden, außer während eines Niederschlags-Counts.
Ein Boxer darf bis zu vier Sekundanten haben, aber nur zwei dürfen auf die Ringplattform und nur einer in den Ring. Der Sekundant muss im Trainingsanzug arbeiten und darf nur begrenztes Material mitführen: zwei Plastikbecher, zwei transparente Trinkflaschen, zwei Sprühflaschen, ein Gefäß für gebrauchtes Wasser und ein Handtuch sowie eine Tasche von maximal 30 x 20 x 20 cm mit Vaseline, blutstillenden Mitteln und Eisbeuteln zur Behandlung von Cuts. Mobiltelefone und andere Kommunikationsmittel am Ring sind verboten.
Der Sekundant darf nicht schreien, den Boxer oder Richter beklatschen, sich an das Publikum wenden, während der Runde Zeichen geben oder den vorgesehenen Bereich an der Ringecke verlassen. Bei Verstößen folgen Verwarnung und dann stufenweise Entfernung - zuerst in den Zuschauerraum, danach für den Turniertag aus der Halle, bei wiederholtem Verstoß bis zum Ende der Wettbewerbe. Bei grobem Verstoß darf der Ringrichter auch den Boxer disqualifizieren.
Kampfdauer
Alle Boxer - vom Anfänger bis zum Profi - bestreiten einen Kampf über 3 Runden mit einer Minute Pause dazwischen; Zusatzrunden sind nicht vorgesehen. Die Dauer der Runde hängt von Alter und Ausbildungsstand ab:
| Altersgruppe | Anfänger | Ab 3. Leistungsklasse und höher |
|---|---|---|
| jüngere und mittlere Jungen/Mädchen (12-14 Jahre) | 1 Minute | 1 Minute |
| ältere Jungen und Mädchen (15-16 Jahre) | 1,5 Minuten | 2 Minuten |
| Junioren/Juniorinnen und Erwachsene (17-40 Jahre) | 2 Minuten | 3 Minuten |
K.o. und Sicherheit des Boxers
Kann ein Boxer nach einem schweren Treffer zum Kopf nicht fortsetzen - ob durch K.o. oder durch Abbruch des Ringrichters -, darf er für eine verpflichtende Sperrfrist weder kämpfen noch sparren. Die Frist steigt mit jedem weiteren K.o.:
| Zählung | Sperre für Turniere/Sparring |
|---|---|
| erster K.o. | mindestens 30 Tage |
| zweiter K.o. | mindestens 90 Tage |
| dritter K.o. | Turniere: 1 Jahr, Sparring: 360 Tage |
Den Count bei einem Niederschlag führt der Ringrichter; mit seinem Kommando wird der K.o. festgestellt und die Sperrfrist beginnt.
Diese Regel gilt unabhängig davon, wie der Sieg zugesprochen wird: Selbst wenn der Schlag regelwidrig war, etwa nach dem Kommando "Break" oder "Stopp", und dem getroffenen Boxer der Sieg durch Disqualifikation des Gegners zugesprochen wird, bleibt der ausgeknockte Athlet für die vorgeschriebene Dauer gesperrt. Bei einem K.o. durch Körpertreffer entscheidet der Turnierarzt nach der Untersuchung über Einschränkungen.
Gewichtsklassen
Boxen teilt Athleten getrennt nach Gewichtsklassen ein: im Amateurbereich nach Altersgruppen und in Kilogramm, im Profiboxen in 17 Klassen, historisch in Pfund. Eine vollständige Tabelle aller Kategorien steht in einem eigenen Artikel.

Gewichtsklassen im Boxen
Vollständige Übersicht der Gewichtsklassen im Amateurboxen nach Altersgruppen und im Profiboxen - mit Umrechnung von Pfund in Kilogramm und Championgürteln.
Mehr erfahren →Dopingkontrolle: Welt-Anti-Doping-Code
Die internationale Dopingbekämpfung im Sport regelt der Welt-Anti-Doping-Code (WADA Code) - ein einheitliches Regelwerk der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), das für internationale Föderationen einschließlich des Boxens verbindlich ist. Der Code gilt seit 2004 und wurde seitdem mehrfach überarbeitet; die aktuelle Fassung trat am 1. Januar 2021 in Kraft. Er definiert verbotene Substanzen und Methoden, Verfahren zur Probenentnahme, Tatbestände von Anti-Doping-Verstößen und Sanktionen - von Verwarnung bis zu mehrjährigen Sperren.
Volltext: World Anti-Doping Code 2021 (PDF, Englisch). Bei Abweichungen zu Übersetzungen in andere Sprachen, auch ins Russische, hat die englische Fassung Vorrang. Wie dieser Code konkret in Russland angewendet wird, steht im Artikel Zulassung, Leistungsklassen und Anti-Doping in Russland.