IBA - International Boxing Association
Die International Boxing Association (IBA) ist eine internationale Boxorganisation, historisch bekannt als AIBA. Sie entstand aus dem Nachkriegssystem des Amateurboxens, führte jahrzehntelang Weltmeisterschaften und olympisches Boxen und arbeitet seit 2023 als eigenständige internationale Föderation mit eigenen Turnieren, Ratings und Mitgliedsverbänden. Die olympische Linie wird inzwischen von World Boxing geführt.

Organisationsprofil
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Vollständiger Name | International Boxing Association |
| Historischer Name | AIBA / Association Internationale de Boxe Amateur |
| Rechtsform | Eingetragener Schweizer Verein im Kanton Waadt |
| Hauptbüro | Maison du Sport International, Avenue de Rhodanie 54, 1007 Lausanne, Switzerland |
| Zusätzliches Büro | Büro in Dubai, Fortune Executive, 802, Dubai, UAE |
| Präsident | Umar Kremlev |
| Generalsekretär / Exekutivdirektor | Chris Roberts |
| Wichtigste Turniere | IBA-Weltmeisterschaften, Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften, kontinentale Turniere im IBA-System |
| Olympischer Status | Seit 2023 wird die olympische Boxlinie von World Boxing geführt |
Geschichte
Von FIBA zu AIBA
Die internationale Amateurboxföderation FIBA wurde 1920 gegründet, als der Sport einheitliche Regeln für internationale Wettbewerbe brauchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1946 die AIBA; erster Präsident wurde der Franzose Emile Gremaux. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Organisation zum wichtigsten internationalen Zentrum des Amateurboxens.
1974 fand in Havanna die erste AIBA-Weltmeisterschaft der Männer statt. Das war ein wichtiger Schritt: Boxen erhielt ein regelmäßiges globales Turnier außerhalb des olympischen Zyklus, und Nationalmannschaften bekamen einen weiteren Saisonhöhepunkt. 1989 wurde bei der Weltmeisterschaft in Moskau erstmals ein elektronisches Punktesystem eingesetzt, Teil einer langen Geschichte von Reformen im Kampfrichterwesen.
Frauenboxen und Programmausbau
Frauenboxen wurde 1994 offiziell als AIBA-Disziplin anerkannt. Die erste Frauen-Weltmeisterschaft fand 2001 in Scranton statt, 2012 kam Frauenboxen bei den Spielen in London ins olympische Programm. Für IBA/AIBA war das einer der wichtigsten Umbrüche: Das internationale System war nicht mehr nur männlich; es entstanden eigene Gewichtsklassen, Kalender und Karrierewege für Frauen.
2021 änderte AIBA die Gewichtsklassenstruktur: Für Elitewettbewerbe wurden 13 Männer- und 12 Frauengewichte bestätigt. Begründet wurde das mit Athletensicherheit, genauerer Gewichtseinteilung und mehr Möglichkeiten für Länder, in denen Boxen in unterschiedlichen Körperprofilen stark ist.
Umbenennung in IBA und Reformen
Im Dezember 2021 änderte ein außerordentlicher Kongress das Akronym von AIBA zu IBA und bestätigte ein Paket konstitutioneller Reformen zur Modernisierung der Führung.
Die Umbenennung war mehr als ein Logo-Wechsel. Die IBA baute eine neue öffentliche Identität auf: höhere Preisgelder bei Weltmeisterschaften, eigene kommerzielle Turniere, finanzielle Unterstützung für nationale Föderationen sowie Programme für Kampfrichter, Trainer und Nachwuchssportler.
Verhältnis zu IOC und World Boxing
Die Beziehungen zwischen AIBA/IBA und dem IOC veränderten sich über mehrere Jahre. Seit 2019 wurden die Turniere der Spiele Tokio 2020 und Paris 2024 direkt durch Sonderstrukturen des IOC organisiert.
Seit dem 22. Juni 2023 liegt die olympische Boxlinie, einschließlich LA28, bei World Boxing, der neuen Föderation mit entsprechendem Status des IOC. Am 20. März 2025 nahm die IOC-Session Boxen in das Programm von LA28 auf; das Qualifikationssystem für LA28 wurde von World Boxing gemeinsam mit dem IOC aufgebaut und bestätigt.
Für Sportler und nationale Föderationen bedeutet das eine Trennung zweier Kreise. Die IBA behält ihr eigenes internationales Wettkampfsystem, ist aber nicht Leitungsorgan des olympischen Turniers. Wer Boxer nach LA28 führen will, muss Anforderungen von World Boxing und IOC berücksichtigen, auch wenn Teile einer nationalen Struktur weiter im IBA-Kalender starten.

Boxen bei Olympischen Spielen
AIBA/IBA prägte fast ein Jahrhundert lang das olympische Turnier: Format, Kampfrichterreformen, Frauenboxen und die Statistik olympischer Champions nach Gewichtsklassen.
Mehr erfahren →Organisationsstruktur
Formal ist die IBA als internationale Vereinigung nationaler Föderationen aufgebaut. Die höchste politische Ebene ist der Kongress der Mitgliedsföderationen, der zentrale Entscheidungen, Wahlen und Verfassungsänderungen bestätigt. Die Exekutive liegt beim Vorstand; die tägliche Arbeit läuft über Büros und Fachabteilungen.
2026 beschreibt die IBA ihr Modell als stärker zentralisiert: Wichtige operative, finanzielle und regulatorische Funktionen sollen über die Geschäftsstelle laufen, während kontinentale Strukturen Vertretung, Kommunikation und Koordination übernehmen. Für Föderationen heißt das, dass Kalender, Teilnahme, Kampfrichterprogramme, Rechtsfragen und internationale Beziehungen stärker auf Ebene der IBA-Zentrale gebündelt werden.
| Ebene | Rolle |
|---|---|
| Kongress | Politische Entscheidung der nationalen Föderationen: Wahlen, Verfassung, strategische Fragen |
| Vorstand | Exekutive Führung, Verwaltung der Föderation und begrenzte Disziplinarbefugnisse |
| Präsident und Generalsekretär / Exekutivdirektor | Politische Führung und operative Leitung |
| IBA-Abteilungen | Sport, internationale Beziehungen, Entwicklung, Recht, Finanzen, Kommunikation |
| Kontinentale Strukturen | Regionale Vertretung und Verbindung zu Föderationen auf den Kontinenten |
| Nationale Föderationen | Mitgliedsbasis der IBA, Meldung von Sportlern, nationaler Kalender und lokale Strukturen |
Wettbewerbe und sportliches Modell
Die IBA führt eigene Wettbewerbe und Regeln für internationales Boxen. Zentral sind Weltmeisterschaften der Männer und Frauen, Jugend- und Juniorenturniere, Ratings und Entwicklungsprogramme. In den vergangenen Jahren betonte die IBA besonders Preisgelder für Sportler und die Idee eines Karrierewegs vom Amateur- über Elite- bis zum Profiboxen.
Sportlich sind drei Themen besonders sensibel:
- Kampfrichter und Ringrichter - historisch der empfindlichste Bereich des internationalen Boxens;
- Integrität der Wettbewerbe - Zulassungsregeln, Prüfung offizieller Personen, Anti-Doping und Disziplinarverfahren;
- finanzielle Unterstützung - Zuschüsse, Ausrüstung und Hilfe für nationale Föderationen, besonders dort, wo Mittel für Reisen und Starts fehlen.
Nationale Föderationen
Die Mitgliedslisten von IBA und World Boxing haben sich auseinanderentwickelt. In manchen Ländern steht in beiden Organisationen dieselbe nationale Föderation, in anderen unterschiedliche juristische Strukturen. In den USA führt die IBA beispielsweise die US Boxing Federation, während World Boxing USA Boxing führt; in Deutschland sind bei IBA und World Boxing ebenfalls unterschiedliche Organisationen genannt.
In den Artikeln über Länder wird das über die konkrete juristische Föderation abgebildet, nicht nur über den Ländernamen. Einige Länder arbeiten in beiden internationalen Umfeldern, andere nur in einem der beiden Systeme.
IBA-Rating der Nationalmannschaften
Die IBA führt ein eigenes Rating der Nationalmannschaften nach Punkten aus Turnieren ihres Systems. Die folgende Top 20 bezieht sich auf den Stand vom 23. August 2026, dem Datum des Snapshots; die Quelle selbst veröffentlicht kein Aktualisierungsdatum.
| Platz | Team | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | 48 700 | |
| 2 | 40 850 | |
| 3 | 38 300 | |
| 4 | 36 825 | |
| 5 | 33 725 | |
| 6 | 29 600 | |
| 7 | 19 950 | |
| 8 | 19 200 | |
| 9 | 19 100 | |
| 10 | 18 175 | |
| 11 | 17 150 | |
| 12 | 15 825 | |
| 13 | 15 550 | |
| 14 | 15 325 | |
| 15 | 14 850 | |
| 16 | 14 700 | |
| 17 | 14 550 | |
| 18 | 14 450 | |
| 19 | 13 275 | |
| 20 | 13 100 |
Praktische Bedeutung
Für Boxer bleibt die IBA eine Bühne für internationale Starts und Status innerhalb ihres eigenen Wettkampfsystems. Für nationale Föderationen bedeutet sie Zugang zum IBA-Kalender, zu Kontakten mit anderen Mitgliedern, Entwicklungsprogrammen und möglichen Preisgeldturnieren. Für den olympischen Weg nach 2025 ist jedoch der Kreis World Boxing / IOC entscheidend.
Die heutige Lage im Weltamateurboxen ist deshalb zweigeteilt: Die IBA behält historische Infrastruktur, einen Teil der Föderationen und eigene Wettbewerbe; World Boxing besitzt die olympische Funktion. Diese Trennung erklärt, warum in einigen Ländern parallele Föderationen entstanden sind und in anderen dieselbe Organisation versucht, mit zwei internationalen Zentren zu arbeiten.