Zulassung, Leistungsklassen und Anti-Doping in Russland
Die sportlichen Boxregeln, also Wertung, Arbeit des Sekundanten, Kampfdauer und Gewichtsklassen, sind international weitgehend einheitlich und stehen im Artikel Internationale Boxregeln. Diese Seite behandelt den administrativen Teil, der für das russische System spezifisch ist: welche Unterlagen für eine Turnierzulassung gebraucht werden, wie Leistungsklassen und sportliche Titel aufgebaut sind und wie Anti-Doping-Kontrolle in Russland organisiert wird.
Zulassung zu Wettbewerben
Anfänger dürfen frühestens drei Monate nach Beginn des Boxtrainings an Wettbewerben teilnehmen. Die endgültige Zulassungsentscheidung trifft der technische Delegierte oder Supervisor des Turniers gemeinsam mit dem Hauptkampfrichter oder dessen Stellvertreter, dem Hauptsekretär und dem stellvertretenden Hauptkampfrichter für medizinische Versorgung.
Für die Teilnahme braucht ein Boxer ein Dokumentenpaket:
- Dokument zum Nachweis von Identität und Staatsangehörigkeit; bei Kindern unter 14 Jahren Geburtsurkunde und Bescheinigung von Schule oder Wohnort;
- Sportbuch des Boxers oder Boxerpass mit medizinischem Status, Zugehörigkeit zu einer Sportorganisation und Wettkampfbelastung;
- Teilnahme Antrag, bestätigt durch sportmedizinische Einrichtung und entsendende Organisation;
- gesetzliche Krankenversicherung und freiwillige Unfallversicherung;
- Klassifikationsbuch des Sportlers oder Urkunde über einen verliehenen Titel;
- MRT-Befund des Gehirns, zwei Jahre gültig;
- bei Frauen Erklärung über Nichtschwangerschaft oder gynäkologische Bescheinigung.
Nach Prüfung der Unterlagen erhält der Boxer eine Teilnehmerkarte, die bei ärztlicher Untersuchung und Wiegen vorzulegen ist. Fehlt eines der nötigen Dokumente oder eine erforderliche Unterschrift beziehungsweise ein Stempel, kann ein Boxer oder die gesamte Mannschaft nicht zugelassen werden.
Zwischen Wettbewerben gilt eine verpflichtende Mindestpause, abhängig von Alter und Zahl der bestrittenen Kämpfe:
| Altersgruppe | Kämpfe im Turnier | Mindestpause |
|---|---|---|
| Jüngere Jungen und Mädchen (12 Jahre) | 2 | 30 Tage |
| Mittlere Jungen und Mädchen (13-14 Jahre) | 3-4 | 20 Tage |
| Ältere Jungen und Mädchen (15-16 Jahre) | 4+ | 15 Tage |
| Junioren und Juniorinnen (17-18 Jahre) | 4+ | 10 Tage |
| Erwachsene (19-40 Jahre), U22-Junioren | 5 | 10 Tage |
Wechsel aus anderen Sportarten
Ein Sportler, der in einer anderen Kampf- oder Sportart gestartet ist, kann nur über ein offizielles Verfahren zum Boxwettkampf wechseln. Die regionale Boxföderation stellt bei der Russischen Boxföderation einen Antrag mit Angabe der früheren Sportart, Gewichtsklasse und Klassifikation. Danach ist eine schriftliche Bestätigung der internationalen Föderation nötig, dass der Sportler zu Boxwettbewerben zugelassen werden kann. Ab Genehmigung darf der Sportler in keiner anderen Kampfsportart mehr starten, weder amateur- noch professionell.
Leistungsklassen und sportliche Titel
Das russische System vergibt mit wachsendem Ergebnisniveau sieben Leistungsklassen und drei Titel:
| Stufe | Alter der Vergabe |
|---|---|
| 3., 2., 1. Jugendleistungsklasse | ab 12 Jahren |
| 3., 2., 1. sportliche Leistungsklasse | ab 14 Jahren |
| KMS - Kandidat für den Meister des Sports | - |
| MS - Meister des Sports im Boxen | - |
| MSMK - Meister des Sports internationaler Klasse | - |
| ZMS - Verdienter Meister des Sports | - |
Formal ist KMS eine Leistungsklasse und kein Titel, liegt aber in der Bedeutung nahe beim MS. Was jede Stufe praktisch bedeutet und wie die Hierarchie von Sektion bis Nationalmannschaft funktioniert, steht im Artikel Boxen in Russland. Die exakten Normen, also wie viele Siege gegen Gegner welchen Niveaus nötig sind, legt die Einheitliche gesamtrussische Sportklassifikation EVSK fest: EVSK-Anforderungen für Boxen (PDF).
Anti-Doping in Russland
Die gesamtrussischen Anti-Doping-Regeln werden von der Russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA auf Grundlage des Föderalgesetzes über Körperkultur und Sport und des Welt-Anti-Doping-Codes entwickelt. Sie sind damit die russische Umsetzung internationaler Prinzipien, kein völlig eigenes Regelsystem. Der vollständige Text ist über RUSADA verfügbar: gesamtrussische Anti-Doping-Regeln (PDF).
Praktisch bedeutet das für Boxer: Ein Dopingtest kann direkt nach dem Kampf stattfinden, bei Titelkämpfen verpflichtend und bei anderen Kämpfen stichprobenartig. Ein Dopingkontrollinspektor begleitet den Sportler zum Probenahmeort und in die Umkleide. Bei Turnieren oberhalb regionaler Ebene müssen Veranstalter einen eigenen Raum für Anti-Doping-Kontrolle bereitstellen; bei jedem Turnier arbeitet ein Dopingkontrollspezialist, der dem stellvertretenden Hauptkampfrichter für medizinische Versorgung unterstellt ist.